Chronik
des
K a n a r i e n z u c h t- u n d V o g e l s c h u t z v e r e i n s
S c h w e t z i n g e n u n d U m g e b u n g e. V .


Der eigentliche Gründungstag unseres Vereins liegt im Dunkeln und wird wohl
immer eine ungeklärte Frage bleiben. Ohne die unermüdlichen Schriftführer, die
uns durch ihre Berichte Einblick in Vergangenes gewähren, wäre die Aufstellung
einer Chronik überhaupt nicht möglich gewesen.
Der erste schriftliche Bericht von Schriftführer Ludwig Link stammt aus dem Jahre
1908 und besagt, dass am 9. März 1908 nachmittags um 15 Uhr, im Lokal zum „Silbernen
Anker“ eine Generalversammlung stattfand. Der damalige Vorstand Wilhelm
Roth bemängelte die schlecht besuchte Versammlung und das Mitglied Adam Rohr
stellte den Antrag, dass die unentschuldigt fehlenden Mitglieder mit einem Bußgeld
von 20 Pfennig bestraft werden sollen. Dem Antrag wurde auch tatsächlich stattgegeben.
Da diese Versammlung aber nicht als Gründungsversammlung gewürdigt wird,
muss die Vereinsgründung früher liegen. Eine Bestandsliste der Mitglieder aus dem
Jahre 1923 besagt, dass ein Händler Phil. Sturm aus Schwetzingen und ein Fabrikarbeiter
Abraham Kolb aus Plankstadt schon im Jahre 1902 dem Verein der Kanarienzüchter
beigetreten sind. Folglich muss zur damaligen Zeit so etwas wie ein Verein
bestanden haben; möglicherweise noch ohne Vorstandschaft und Satzung, denn Aufzeichnungen
aus jener Zeit sind entweder nicht gemacht worden oder verloren gegangen.
Nachweisbar besteht der Verein daher seit 1908 und so wollen wir die Chronik
beginnen.


Das Mitgliederverzeichnis im Jahre 1908 umfasst nur 12 Mitglieder, unter anderen H.
Niels, den Wirt des damaligen Vereinslokals „Silberner Anker“. Die Mitgliederversammlungen
fanden zwar noch unregelmäßig statt, doch wurden bereits Vereinsausstellungen
durchgeführt. Auch eine Tombola mit Kanarien- und anderen Vögeln
wurde durchgeführt. Die Tombola hieß damals noch „Glückshafen“ und hat ihren
Platz bei den Ausstellungen bis heute nicht verloren.
In den folgenden Jahren festigte sich der Verein und gewann an Mitgliedern. In der
Versammlung vom 20. Juli 1912 wird unter dem Vorstand Adam Rohr kommentarlos
der Eintritt in den Badischen Kanarienzüchterbund bekannt gegeben und damit die
Arbeit auf überregionaler Ebene eingeleitet.
Im Jahre 1913 übernahm der Zuchtfreund Johann Zoller die Leitung des Vereins. Seine
Aufgabe war, den Verein über die schwierige Zeit des 1. Weltkrieges zu retten.
Wie aus den Aufzeichnungen zu entnehmen ist, gelang ihm dies hervorragend, da die
Gedanken der Anwesenden immer bei den Kameraden im Felde weilten. In den Jahren
1919 bis 1922 stabilisierte sich der Verein wieder zu voriger Größe. Zwar musste
der Mitgliedsbeitrag erstmals auf 50 Pfennige pro Monat erhöht werden, doch zählte
der Verein Ende 1922 schon 45 Mitglieder. Damit war auch die schwierige Aufgabe
des 1. Vorsitzenden erfüllt und 1922 übernahm Rudolf Farrenkopf die Geschicke des
Vereins. Die sozialen und vor allem wirtschaftlichen Schwierigkeiten nahmen zu. Die
Futterbeschaffung für die Vögel wurde immer schwieriger und die galoppierende Inflation
mit ihrer Geldentwertung machte die Vogelzucht fast unmöglich. Trotzdem
wurden Zusammenkünfte abgehalten und Vögel gezüchtet. Der Verein litt schwer,
aber er existierte weiter.


Hier der Bericht aus einer der schlimmsten Zeiten:
Gasthaus Schwanen, 5.11.1922. - Anwesend 16 Mitglieder. Vorbereitung zur Vereinsmeisterschaft.
Gemeldet werden 17 Stämme. Das Standgeld war auf 100 Mark festgelegt,
musst aber kurzfristig auf 200 Mark erhöht werden. Bedingt durch die Inflation
mussten auch die Eintrittspreise auf 20 Mark und die Lospreise auf sage und
schreibe 5 Mark erhöht werden. Allein der Monatsbeitrag stieg auf 50 Mark und die
Aufnahmegebühr wurde auf 100 Mark festgesetzt. Obwohl der Kassenbestand nach
der Ausstellung 1923 knapp 22.000 Mark aufwies, war der Verein durch die Geldentwertung
finanziell am Ende. Die Versammlungen wurden auf das nötigste reduziert,
die Ausstellungen fielen aus, aber der Verein blieb am Leben.
Am 23.11.1924 übernahm Fritz Brauch das Ruder als 1. Vorsitzender. Er übernahm
den Verein in einer Zeit erhöhter Arbeitslosigkeit. Immer häufiger stellte sich die Frage
nach der Zukunft des Vereins. Ab 1925 wurden die Versammlungen wieder regelmäßig
abgehalten und bereits 1925 konnte wieder eine Kanarienausstellung stattfinden,
wobei das Standgeld wieder auf 3 Mark gesenkt werden konnte. Die Mitgliederzahl
war allerdings auf 26 geschrumpft. Danach begann für den Verein eine Zeit des
Wiederaufbaus und der Stabilität. Der 1. Vorsitzende Fritz Brauch steuerte das Schiff
mit seiner Vorstandsbesetzung über alle Klippen. Mit regelmäßigen Versammlungen
und gelungenen Ausstellungen wurde der Verein zu einem Aushängeschild des
Schwetzinger Lebens. Ohne allzu große Ereignisse geht das Vereinsleben nun über
die Bühne. Es gibt Eintritte, aber auch Austritte, kleine Querelen und erfreuliche Ereignisse.
Erfolgreiche und angenehm verlaufende Ausstellungen und zufrieden stellende
Kassenberichte verbunden mit einem harmonischen Vereinsleben kennzeichnen
die nächsten Jahre. Aber bereits Mitte bis Ende der 30er Jahre ziehen wieder dunkle
Wolken über den kleinen Verein. Konnte der Verein während des 1. Weltkrieges noch
am Leben erhalten werden, so wurde der Vorsitzende Brauch im 2.Weltkrieg zur Kapitulation
gezwungen. Wir finden eine letzte Eintragung am 03.03.1940. Es handelt
sich um eine Generalversammlung. Dabei wurde das Bedauern über die kriegsbedingten
unregelmäßigen Versammlungen geäußert. Nach einem kurzen Kassenbericht
wurde zwar von 8 Züchtern noch eine Ringbestellung beantragt, doch danach
schweigt die Chronik. Um 17 Uhr schloss der Vorsitzende Brauch die Versammlung,
die für lange Zeit die letzte gewesen sein sollte.


11 Jahre ruhte der Verein. Das Feuer war ausgegangen, doch seine Asche barg noch
einige winzige Glut.


Bereits 1949/50 knüpften einige Vogelzüchter erste Bande untereinander mit zoologischen
Geschäften. Anfang 195 l erschien dann der Aufruf in der Schwetzinger Zeitung
an alle interessierten Züchter und Sympathisanten zur Neugründung eines Vereins.
Am 7. Januar 1951 trafen sich dann die Kanarienzüchter, Vogelfreunde und auch
Zierfischliebhaber zur ersten Versammlung im „Grünen Baum“. Die Wiedergeburt
des Vereins, durch den ehemaligen Vorsitzenden Brauch, wurde von den Anwesenden
gebührlich gefeiert. Auch die entstandenen Kosten für Anzeigen etc. wurden von den
Anwesenden getragen. Zwecks Namensgebung für den Verein wurde wegen der neu
eingetretenen Zierfischliebhabergruppe eine neue Mitgliederversammlung für den
4.2.1951 einberufen. Bei dieser nun ersten hochoffiziellen Versammlung nach dem
Kriege wurde der Namen auf „Verein für Kanarien- und Vogelschutz und
Aquarianer“ festgelegt. Der zu diesem Zeitpunkt bereits sehr rege Verein zählte 10
aktive Züchter und verabschiedete bereits am 6. März 1951 eine ausführliche Vereinssatzung.
Bis zum Jahre 1952 wuchs der Verein auf 38 Mitglieder an. Der nächste
Schritt war die Wiederaufnahme in den Badischen Kanarienzucht Verband. Der neuen
Vorstandschaft gelang es damit innerhalb kurzer Zeit, den Verein sowohl finanziell
als auch personell auf gesicherte Beine zu stellen.
Die Versammlungen fanden wieder in kurzen Zeitabständen statt und die Ausstellungen
wurden wieder zu großen Erfolgen. Leider konnten die Zierfischliebhaber der rasanten
Entwicklung der Vogelzüchter nicht standhalten und der Vereinsname wurde
später zu dem heutigen „Kanarienzucht- und Vogelschutzverein Schwetzingen und
Umgebung“ umgeändert. Bei der Generalversammlung am 10.1.1954 gab der bisherige
Vorsitzende seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekannt. Zum neuen
Vorstand wurde Herr Heinrich Bertsch gewählt.
Direkt nach Beginn seiner Amtszeit musste Herr Bertsch die Vorbereitungen für die
geplante Badische Meisterschaft, verbunden mit der Vorprüfung zur Deutschen Meisterschaft,
in Schwetzingen durchführen. Anhand der vielfältigen Aufzeichnungen ergibt
sich ein Bild über den hohen Zeitaufwand, den die damaligen Mitglieder erbrachten.
Neben der Planung, Organisation und Durchführung der Landesmeisterschaft,
musste ein umfangreicher Ausstellungskatalog erstellt werden.
Eine zeitaufwendige Angelegenheit war die Beschaffung von Werbeanzeigen, mit denen
der Verein einen Teil der Unkosten zu decken gedachte. In der Versammlung am
08.03.1955 im „Grünen Baum“ beschlossen die Mitglieder, die Badische Meisterschaft
im „Hotel Hirsch“, stattfinden zu lassen. Im Saale des „Hotel Hirsch“ wurden
dann am 22.10.55 in einer Mitgliederversammlung die letzten Weichen für einen reibungslosen
Ablauf der Meisterschaft gestellt.
Die verantwortungsvollen Aufgaben wie Vogelzuträger zu den Preisrichtern, Ringkontrolleur,
Verantwortliche für die Fütterung und ähnliche Tätigkeiten, wurden unter
den Anwesenden aufgeteilt. Am 01. und 02. Dezember fand noch eine vereinsinterne
Tischbewertung statt. Danach wurde vom 12.12. bis 18.12.1955 das große Ereignis,
die Badische Meisterschaft, abgehalten. Um den Badischen Meistertitel bei den Gesangskanarien
kämpften 71 Stämme, wogegen bei den Farbkanarien nur 6 Stämme
konkurrierten.
Schwetzinger Züchter waren dabei mit 10 Stämmen Gesang (Bertsch, Stoll, Ruf,
Brauch, Koch, Ketterer, Pfister, Gissel, Fugger) und 3 Stämme Farbe (Grohmann,
Rohr, Frey) vertreten, die alle gut abschnitten, wenngleich es damals zum Titel eines
Badischen Meisters nicht reichte.
Wie an dem Zahlenverhältnis zu ersehen ist, war damals die Sparte Gesang noch die
Königin der Kanarien zucht, während die Pioniere der Farbenzucht gerade erst scheu
und ängstlich zu experimentieren begannen. Unter den Teilnehmern an der Badischen
Meisterschaft waren auch zwei Züchter, die erst später zum Schwetzinger Verein stießen.
Es waren dies Berthold Uibelhör, der später die erste deutsche Meisterschaft für
den Verein errang, und Heinrich Nerzak. Aus dem Protokoll der anschließenden Generalversammlung
am 14.1.1956 kann entnommen werden, dass die Ausrichtung der
Badischen Meisterschaft rundherum als Erfolg gewertet werden konnte. Nicht zuletzt
wurde dies durch 5 Neuaufnahmen bestätigt.
Bei den folgenden Neuwahlen der Vorstandschaft stellte sich der Ehrenvorsitzende
Brauch nicht mehr für den Posten des Schriftführers zur Verfügung, so dass Harald
Hahn dessen Nachfolge antrat. Nach wenigen ereignislosen Wochen begann ein neues
Kapitel des Vereins.
Die Sittich- und Exotenzüchter waren natürlich auch im einzigen Vogelverein
Schwetzingen vertreten. Nach ihrer Hauptsparte wurden sie kurz Wellensittichzüchter
genannt. Sie stellten im Frühjahr 1956 den Antrag, einen Spartenleiter in die Vorstandschaft
einbringen zu dürfen. Auf der Vorstandssitzung am 20. März wurde diesem
Antrag auch stattgegeben. Leider hielt die Verbindung der Kanarienzüchter und
Sittich- und Exotenzüchter nur noch wenige Wochen.
Am 9.6.1956 erklärten 12 Mitglieder, unter ihnen der Spartenleiter für Sittiche und
Exoten, ihren Austritt aus dem Verein. Es schien, als sei diese Sparte der Vogelzucht
für lange Zeit oder gar für immer in diesem Verein erloschen. Doch weit gefehlt. Bereits
am 6.9.56 stellten fünf Züchter des Vereins einen Antrag auf Genehmigung zum
Züchten von Sittichen. Innerhalb kurzer Zeit bestand der Verein wieder aus Kanarienzüchtern,
die auch Sittiche und Exoten zu ihren Lieblingen zählten.
Das Jahr 1956 hat jedoch noch eine weitere Überraschung für uns bereit. Im Protokoll
der Mitgliederversammlung vom 4.9.1956 lesen wir, dass der geplante Familienabend
am 15.9.1956 gleichzeitig als 50-jährige Jubiläumsfeier gestaltet werden soll.
Die Veranstaltung verlief sehr harmonisch im Lokal „Grüner Baum“ und wurde von
zahlreichen Ehrungen eingerahmt. Dieses Jubiläum ist ein weiterer Hinweis, dass. der
Verein vor 1908 gegründet sein musste.
Unter den vielen erfreulichen, aber auch sehr traurigen Ereignisse möchte ich nur die
besonders tragische Begebenheit aus dem Jahre 1957 zitieren. Als Protokoll der Vorstandssitzung
vom 3.5.1957 im „Silbernen Anker“ teilt Schriftführer Hahn mit:
„Diese Sitzung konnte nicht durchgeführt werden, weil unser l. Vorsitzender Heinrich
Bertsch nach der Begrüßung durch den Tod am Herzschlag für immer in den ewigen
Frieden von uns gegangen ist“.
Möge dieses schmerzliche Erlebnis das Gedenken an all jene Züchterfreunde erhalten,
die bereits von uns gegangen sind.
Im Lokal „Grüner Baum“ wurde am 24.5.1957 eine außerordentliche Mitgliederversammlung
abgehalten. Dabei wurde Heinrich Rohr zum 1. Vorsitzenden gewählt
Im gleichen Jahr wurde auch noch die neue Satzung verabschiedet und der Name Kanarienzucht-
und Vogelschutzverein Schwetzingen und Umgebung offiziell eingeführt.
Anlässlich der Generalversammlung am 15.2.1959 wechselte auch der Schriftführer.
Unser allbekannter Karl-Heinz Ruf übernahm diese Funktion als gerade 19jähriger
Jungzüchter. Der ehemalige Schriftführer Harald Hahn verschwand aber nicht m
der Versenkung, sondern blieb der Vorstandschaft als Mitglied z.b.V. erhalten.
In folgenden Jahren ergaben die alljährlichen Generalversammlungen kaum Änderungen
in der Vorstandschaft. Der Verein konnte kontinuierlich und erfolgreich arbeiten.
Es wurden auf regionalen und überregionalen Vogelschauen Titel gesammelt Die
Krönung waren mehrere Badische Meistertitel und ein Deutscher
Meistertitel Die Versammlungen verliefen regelmäßig. Es gab Familienabende, Ausflüge
und die erfolgreichen Ausstellungen wurden zum festen Bestandteil des Schwetzinger
Vereinslebens. Zu Beginn des Jahres 1968 gab es einen erneuten Wechsel. Den
Vorsitz des Vereins übernahm Albert Moch bis zur Generalversammlung am 18. Januar
1970 Er bat von einer Wiederwahl abzusehen, da er beruflich zu stark engagiert
sei
Bei den anstehenden Neuwahlen wurde Karl Reinhard zum 1. Vorsitzenden gewählt,
während Karl-Heinz Ruf weiterhin den Posten des Schriftführers ausfüllte. Diese Vorstandschaft
blieb konstant bis am 6.1.1976 Karl Reinhard aus Altersgründen seinen
Vorsitz abgab.
Bei der Neubesetzung der Vorstandschaft wurde Karl-Heinz Ruf 1. Vorsitzender und
Siegfried Kröneck Schriftführer. Auch diese Vorstandschaft war in der Lage, die anstehenden
Probleme zu lösen und dem Verein die Zukunftsperspektive zu erhalten.
Zur Frage Nr. l wurde dabei das zum Umbau anstehende Vereinslokal „Grüner
Baum“. Immerhin wurden dort während 27 Jahren fast sämtliche Versammlungen und
Ausstellungen durchgeführt. Konnte man die Versammlungen noch in verschiedene
Gasthäuser (z.B. TV-Clubhaus) verlegen, so war doch die Frage nach einem Ausstellungslokal
viel brennender. Die Entscheidung fiel dann bereits zur Ausstellung 1978.
Am 18. und 19. November wurde die erste Vereinsausstellung im ASV-Vereinsheim,
Grenzhöfer Straße, durchgeführt. Obwohl zu Beginn von einigen Mitgliedern Bedenken
geäußert wurden, fühlt sich der Verein inzwischen bei den Anglern wohl und
weiß die zuvorkommende Art zu würdigen. Inzwischen werden auch fast alle Versammlungen
und außergewöhnliche Veranstaltungen dort durchgeführt.
In den letzten Jahren konnte der Verein in Ruhe arbeiten und sich der Vogelzucht
und des Vogelschutzes widmen. Wie bereits früher werden regelmäßig am 2. Montag
im Monat Mitgliederversammlungen durchgeführt, zu denen auch Freunde und Interessenten
der Vogelzucht recht herzlich eingeladen wurden. Der Höhepunkt des Jahres
ist die regelmäßig stattfindende große Vogelausstellung im November, verbunden mit
der Ermittlung der Vereinssieger. Weiterhin beteiligt sich der Verein an den verschiedensten
Veranstaltungen auf städtischer und überregionaler Ebene. Besonders erwähnenswert
sind noch die Aktivitäten im Bereich des Vogelschutzes.
Anfang 1982 wechselte die Führung des Vereins, da Karl-Heinz Ruf aus beruflichen
Gründen nicht mehr zur Verfügung stand. Bei den Neuwahlen wurde Helmut Schäfer
zum 1. Vorsitzenden, Walter Heilmann zum 2. Vorsitzenden und Iris Schäfer zum
Schriftführer gewählt. Im Berichtsjahr 1982 war unter den vielen Veranstaltungen besonders
die Teilnahme an der 1. Schwetzinger Fußball-Stadtmeisterschaft herauszuheben.
Es war schon beeindruckend, wie ein kleiner Verein ohne sportliche Ambitionen
im Konzert der Großen mitmischte und unter 24 Mannschaften mit dem 4.
Platz ausgezeichnet wurde. Auch die Erfolge der Kanarienzüchter, die auf einigen
überregionalen Vogelausstellungen die Farben der Stadt Schwetzingen vertraten,
konnten sich sehen lassen. In dieser Zeit entstand durch die Teilnahme an den offenen
Stadtmeisterschaften Heilbronn ein reger freundschaftlicher Kontakt zu den dortigen
Vogelfreunden und zu den Vereinen der Nachbarschaft. Trotz der vielfältigen Erfolge
ging es 1982 wie auch 1983 bei jeder Versammlung um das Thema 75-jähriges Vereinsjubiläum
und schon früh wurde mit den Vorbereitungen begonnen. Der Jubiläumsfestakt
wurde dann im ehemaligen Ausstellungslokal im Gasthaus „Grüner
Baum“ in Schwetzingen unter Beteiligung von Vertretern der befreundeten Vereine
und einer Delegation der Stadt Schwetzingen durchgeführt. Neben den vielen Glückwünschen
und Ehrungen kam dabei die Geselligkeit nicht zu kurz und allen Vereinsmitgliedern
ist dieser Abend in guter Erinnerung geblieben.
Anlässlich der Generalversammlung im Frühjahr 1984 hat dann der „Macher“ des
Vereins Karlheinz Ruf wieder selbst den Vorsitz des Vereins übernommen und bis
2004 engagiert und zuverlässig geführt. In dieser Zeit ist der Verein kontinuierlich
weiter gewachsen und konnte sich zu einem der führenden Vereine im Badischen
Verband entwickeln. Die Erfolge der Züchter in diesen Jahren auf regionalen und
überregionalen Vogelschauen sind in den C h r o n i k e n d e r M e i s t e r im Anhang aufgeführt.
Herausragend waren dabei die mehr als 20 Titel DEUTSCHER MEISTER und
zwei WELTMEISTERTITEL gegen oft übermächtige Konkurrenz aus klimatisch begünstigteren
Ländern. Besondern hervorzuheben ist die Entstehung einer aktiven Jugendgruppe,
die bereits kurz nach ihrer Gründung in die Fußstapfen der etablierten
Züchter trat und seither ebenso erfolgreich an Vergleichsschauen teilnimmt. Erfreulich
ist, dass diese Jugendgruppe alljährlich weiter wächst und so Hoffnung macht,
dass der Verein auch langfristig weiter bestehen kann, während vergleichbare Vereine
teilweise unter Mitgliederschwund und Nachwuchsmangel leiden.
Auch die Zusammenarbeit mit dem Anglerverein ASV 1913 e.V. hat inzwischen gute
Tradition und nun schon 30 Jahre Bestand. Jeden Monat finden in den Räumen des
ASV in der Grenzhöfer Straße die Monatsversammlungen statt und jedes Jahr im November
am Wochenende vor dem Buß- und Bettag findet die große Vogelschau mit
Vereinsprämierung im ASV-Saal statt und lockt die Besucher und interessierten
Züchter aus Nah und Fern an. Nach umfangreichen Aufbauarbeiten werden die Ausstellungsvögel
sorgsam von den Züchtern zur Ausstellung gebracht und von mehreren
Zuchtrichtern bewertet bevor sie dann Samstag und Sonntag der Öffentlichkeit vorgestellt
werden. Direkt nach Schließung der Schau am Sonntag werden die Vögel dann
zurück in die Züchterstuben gebracht und können wieder im gewohnten Umfeld ihren
Beschäftigungen nachgehen. Mein Dank für die gute Zusammenarbeit mit dem Vorstand
und dem Bewirtungsteam des ASV soll an dieser Stelle seinen Ausdruck finden.
Die Züchter des Vereins betreuen inzwischen eine überaus große Vielfalt an verschiedenen
Vogelarten. Neben den traditionellen Gesangs-, Farb- und Positurkanarien sitzen
in den Züchterstuben Zeisige, Girlitze, Prachtfinken, Täubchen, Wachteln, Sittiche
und Papageien aus allen Kontinenten.
Nach 50 Jahren verantwortungsvoller Tätigkeit für den Verein erklärte Karlheinz Ruf
zur Generalversammlung 2004 seinen endgültigen Rücktritt aus der Vorstandschaft
und wurde zum Ehrenvorsitzenden des Kanarienzucht- und Vogelschutzvereins
Schwetzingen und Umgebung ernannt. Bei den Neuwahlen übernahm dann wieder
Helmut Schäfer die Aufgabe des 1. Vorsitzenden. Verbunden mit diesem Wechsel an
der Vereinsspitze war dann auch eine Neuausrichtung des Vereins zu einem modernen
Verein. Es wurde die Satzung überarbeitet und die Eintragung in das Vereinsregister
beschlossen und umgesetzt. Gleichzeitig wurde für den Verein die Gemeinnützigkeit
beantragt und vom Finanzamt Schwetzingen auch erteilt. Im Oktober 2007 konnten
die letzten Formalitäten erledigt werden und der Verein präsentiert sich nun in einer
zeitgemäßen Struktur und Form, um auch den Anforderungen der Zukunft gewachsen
zu sein. Im Übrigen wird die bisherige bewährte Kontinuität im Verein beibehalten
und weder in der Vorstandschaft noch bei den aktiven Mitgliedern sind große Veränderungen
zu verzeichnen. Einige Züchter engagieren sich auch auf Verbandsebene im
Badischen und Deutschen Kanarienzüchter Bund und sorgen für beste Kontakte und
Informationen.
Selbstverständlich wird neben dem eigentlichen Hobby Vogelzucht auch der gesellige
Teil nicht vernachlässigt. Jedes Jahr finden neben kleineren Aktionen auch ein großes
Grillfest und eine Winterfeier mit Siegerehrung statt. Zu diesen Veranstaltungen treffen
sich dann nicht nur die aktiven Züchter, sondern auch Familienangehörige und einige
Freunde des Vereins.
Wenngleich in unserer schnelllebigen Gesellschaft das Interesse an der Vogelhaltung
zurück geht und auch die Besucherzahlen bei der Vereinsaustellung rückläufig sind
hat der Verein eine stabile Grundlage, um allen Interessierten eine Plattform für ihr
Hobby zu bieten und auch weiterhin die Pflege und Zucht einheimischer und fremdländischer
Vögel zu unterstützen. Dies ist nicht zuletzt dem besonderen Engagement
der Stadt Schwetzingen mit ihrer beispielhaften Unterstützung der Vereins- und insbesondere
der Jugendarbeit zu verdanken.
So kann sich der Verein und seine aktiven und passiven Mitglieder nun auf dieses besondere
Jubiläum freuen und mit Zuversicht den nächsten Herausforderungen stellen.
Schwerpunkt der Zukunft wir neben der Zucht von Kanarienvögeln und anderen Vogelarten
sicher der Arten- und Naturschutz sein, der aufgrund der Zersiedelung der
Landschaften immer mehr an Bedeutung gewinnt.